Covid zu hause

Leitfaden für die Betreuung von COVID-19 Patienten

Stufe 4 – jetzt übernehmen die Fachleute

Wenn sich Symptome verschlimmern oder der Zustand des*der Patienten*in sich verschlechtert, sollte häufiger gemessen werden. Notiere in diesem Fall alle paar Stunden Temperatur, Atem- und Herzfrequenz.Sei besonders wachsam bei sich rasch verschlechternder Kurzatmigkeit, schneller Atmung und niedrigem Sauerstoffgehalt im Blut, da dies Anzeichen für die Entwicklung eines akuten Atemnotsyndroms (ARDS) sein können, das sofortige ärztliche Hilfe erfordert.

Die folgenden Symptome sind ein dringender medizinischer Notfall, der von Fachleuten behandelt werden muss:

Bewusstlosigkeit

Es gibt verschiedene Stufen von Bewusstlosigkeit. Wenn jemand das Bewusstsein verliert, stelle fest, ob der*die Patient*in reagiert, wenn Du seinen*ihren Namen rufst (Stimmreaktion). Reagiert sie, wenn Du die Person kneifst (Schmerzreaktion) oder reagiert die Person überhaupt nicht mehr (keine Reaktion). Hol bei fortgesetzter Bewusstlosigkeit sofort Hilfe!

Bei einem kurzen Bewusstseinsverlust kann es helfen den*die Patient*in zum Essen und Trinken zu motivieren und zu lüften (sofern der*die Patient*in sich schnell erholt und wieder vollständig wach ist!). Auch ein kurzer Bewusstseinsverlust ist ernst zu nehmen. Hol Hilfe!

Kognitive Probleme/Verwirrung

Du kennst den*die Patienten*in wahrscheinlich gut genug, um zu erkennen, wenn er*sie verwirrt sein sollte ohne irgendwelche medizinischen Tests anzuwenden. Plötzlich einsetzende Verwirrung ist ernst zu nehmen. Es ist Zeit, medizinische Hilfe zu holen.

Zu hohe oder zu niedrige Atemfrequenz/Kurzatmigkeit

Miss die Atemzüge pro Minute. Halte dazu deine Hand nah genug vor Nase und Mund, sodass du den Atem spüren kannst. Beobachte die Brust und/oder den Bauch, während du mit einer Uhr eine Minute lang die Atemzüge zählst. Die Atemfrequenz (AF) sollte zwischen zwölf und zwanzig Atemzügen pro Minute liegen. Schreibe dies auf.

Gute Belüftung des Zimmers und Aufrichten des*der Patienten*in kann bei Atemnot helfen. Es kann auch helfen, das Kopfteil des Bettes zum Schlafen möglichst hochzulegen oder verschiedene Atemtechniken zu probieren. Es gibt einige Schlafpositionen, die ebenfalls das Atmen erleichtern können (siehe Stufe 3, Pflegearbeit).

Wenn Du es beim Patienten bemerkst oder der*die Patient*in unter Kurzatmigkeit/Atemnot leidet, ist es Zeit für ärztliche Hilfe.

Niedrige Sauerstoffsättigung

Mit einem Oxymeter kannst du die Sauerstoffsättigung des Blutes messen (siehe Einkaufsseite). Für Werte unter 96 Prozent kann es hilfreich sein, gut zu lüften. Dabei musst du darauf achten, dass der*die Patient*in warm eingepackt ist und nicht auskühlt. Jede Sauerstoffsättigung unter 95 Prozent kann auf ein Atemproblem hinweisen. Wenn sich die Lippen oder Fingerspitzen des Patienten zu irgendeinem Zeitpunkt blau (oder auch nur leicht blau) verfärben (Zyanose genannt), rufe sofort einen Krankenwagen!

Rufe auch dann einen Arzt an, wenn sich die Finger, Zehen oder Lippen weit weniger blau verfärben als in diesem Bild.

Wenn die Haut des Patienten eine netzförmige, violette Zeichnung (auch Livedo reticularis genannt) zeigt, wie unten dargestellt (und das für dendie Patientenin nicht normal ist), ist das auch ein Grund, um Hilfe zu rufen.

Sehr niedriger Blutdruck

Ein Blutdruck unter dem tieferen Ende des Normbereichs (90 mmHg systolisch, 60 mmHg diastolisch) gibt Anlass zur Sorge. Beachte, dass der Blutdruck aus zwei Werten besteht, dem systolischen und dem diastolischen Druck. Wenn du ein automatisches Blutdruck-Messgerät hast, sollte es diese beiden Werte anzeigen. Wenn du ein Gerät hast, notiere den systolischen Druck auf dem Tagebuchformular.

Wenn du kein Gerät zur Blutdruckmessung hast oder damit nicht klar kommst, versuche stattdessen die Kapillarwiederbefüllungszeit desder Patientenin zu testen. Lege seine oder ihre Finger flach auf eine harte Oberfläche. Drücke mit deinem Finger von oben auf einen seiner Fingernägel. Der Fingernagel sollte an Farbe verlieren. Prüfe wie lange der Fingernagel braucht, um wieder seine normale Farbe anzunehmen. Es sollte nicht länger als ein bis zwei Sekunden dauern. Ansonsten kann das auf einen niedrigen Blutdruck hinweisen. Es könnte auch ein Symptom der Dehydrierung (Flüssigkeitsmangel) sein.

Dehydrierung ist eine häufige Ursache für niedrigen Blutdruck. Den*die Patienten*in zum Trinken anzuregen, ist hier wichtig. Insbesondere was Nahrungsmittel oder Getränke angeht, die essentielle Elektrolyte wie Kalium und Natrium enthalten. Schwindel ist ein häufiges Symptom von niedrigem Blutdruck und tritt oft beim Positionswechsel des*der Patienten*in auf; es kann zu einer Ohnmacht kommen. Aber eindringlich, noch einmal: wenn irgendetwas nicht richtig aussieht - wenn der Blutdruck sehr niedrig ist, oder wenn der*die Patient*in normalerweise hohen Blutdruck hat und dieser viel niedriger als sonst ist, dann hole Hilfe.

Zu hohe oder zu niedrige Herzfrequenz

Die Herzfrequenz ist leichter zu messen als der Blutdruck. Normalerweise geht eine hohe Herzfrequenz (über 100 bis 110 Schläge pro Minute bei einem Erwachsenen) mit einem niedrigen Blutdruck einher. Kleinere Menschen und Kinder haben in der Regel eine höhere Herzfrequenz. Eine hohe Herzfrequenz allein ist möglicherweise kein Grund zur Beunruhigung. Sie kann auch auf Angst oder Dehydrierung hinweisen. Entspannungstechniken und etwas zu trinken/zu essen könnten angebracht sein. Aber auch hier sollten Werte, die außerhalb des normalen Bereichs liegen, Grund genug sein, sofort medizinische Hilfe in Anspruch zu nehmen. Dies gilt insbesondere, wenn du eine schnelle Atmung zusammen mit niedrigem Blutdruck oder eine hohe Herzfrequenz und/oder Verwirrung feststellst.

Sehr hohes Fieber, das plötzlich (wieder) auftritt

Regelmäßige Messungen der Temperatur sind wichtig. Auch wenn die Temperatur zunächst sinkt, kann sie schnell wieder ansteigen. Ein sehr hohes Fieber (> 39° Celsius) ist ein Grund, medizinische Hilfe in Anspruch zu nehmen. Ebenso wie ein Fieber, das verschwindet und dann plötzlich wiederkommt.

Hilferuf

Wenn eines der oben genannten Symptome auftritt, ist die Lage ernst! Dies ist der Zeitpunkt, an dem du nach Möglichkeit keine Entscheidungen mehr auf der Grundlage eines Leitfadens aus dem Internet treffen solltest! Warte nicht darauf, ob es schlimmer wird. Rufe den Notruf an (Deutschland: 112) und/oder beschaffe dem*der Patienten*in sofort einen Krankenwagen. Bleibe ruhig und berichte die Situation, so wie sie ist. Deine Arbeit ist erledigt: Du hast eine*n Patienten*in lange aus dem medizinischen System herausgehalten. Jetzt ist es an der Zeit, dass sich die Fachleute um ihn*sie kümmern. Die Daten, die du gesammelt hast, sollten dir dabei helfen, die Rettungskräfte oder Ärzte davon zu überzeugen, dass du nicht grundlos in Panik geraten bist. Außerdem helfen sie dabei, dass der*die Patient*in schneller die nötige Versorgung erhält.