Covid zu hause

Leitfaden für die Betreuung von COVID-19 Patienten

Stufe 2 – Du hast erste Symptome

Du solltest an COVID-19 denken, wenn du an einem der folgenden Symptome leidest:

Fieber ist das häufigste Symptom von COVID-19, tritt aber trotzdem nicht in allen Fällen auf. Anfängliche Beobachtungen schienen nicht auf Magen-Darm Symptome hinzuweisen (Durchfall, Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, Appetitlosigkeit). Neuere Erkenntnisse deuten aber darauf hin, dass sie wohl doch häufig und sogar noch vor den Symptomen der Atemwege auftreten können. Zu den Anfangssymptomen können auch Gelenk-/Muskelschmerzen, Kopfschmerzen, Schüttelfrost, Schwindel, verstopfte Nase und Halsschmerzen gehören. Später können dann für mehrere Tage Verlust des Geruchs- und Geschmackssinns dazu kommen.

Viele der beschriebenen Symptome werden aber auch von anderen Krankheiten wie Erkältungen, Grippe und Allergien hervorgerufen. Tatsächlich deuten verstopfte oder laufende Nase, juckende Augen und Niesen eher auf eine andere Erkrankung als COVID-19 hin, wie zum Beispiel Allergien. COVID-19 lässt sich nicht eindeutig an den Symptomen erkennen. Nur ein Test verschafft hier Gewissheit.

Ist COVID-19 an deinem Wohnort verbreitet? Warst du in einem betroffenen Gebiet? Oder warst du in der Nähe von jemandem, der in einem betroffenen Gebiet war? Dann könnten deine Symptome aber sehr wohl COVID-19 sein. Aber keine Panik: In vielen Fällen sind die Chancen, dass es sich um etwas anderes handelt, viel größer.

Hinweis: Fieber ist keine Gefühlssache sondern muss gemessen werden. Du brauchst ein Fieber-Thermometer (oder zwei, falls eines kaputt geht) und ein Fiebertagebuch. Im Fiebertagebuch hältst du mindestens ein mal am Tag die Tagestemperatur fest. Wenn du die Temperatur rektal (d.h. im Hintern) misst, ist sie präziser. Reinige das Thermometer nach jedem Gebrauch mit einem Tuch und Alkohol. Stelle sicher, dass du genügend Tücher und Alkohol hast. Wenn du die Temperatur im Mund misst, solltest du 20 Minuten lang vorher nichts essen oder trinken. Notiere die Methode in jedem Fall in deinem Fiebertagebuch. Dadurch wissen dann die Mediziner*innen, um wie du gemessen hast (zu den oralen Temperaturen werden oft etwa 0,7° Celsius addiert). Hier eine gute Anleitung zum Fieber messen.

Wenn du keine Symptome hast

Manche Menschen haben das Virus, sind infektiös und stecken andere Menschen an, ohne es selbst zu wissen oder zu bemerken. Leider scheint das recht häufig bei ungefähr 25 Prozent der Infizierten der Fall zu sein. Solange in deiner Nähe keine großflächigen Tests möglich sind (und das ist derzeit fast nirgends der Fall) ist es also quasi nicht möglich herauszufinden, ob du dazu gehörst. Deshalb ist es so wichtig, dass du die offiziellen Richtlinien befolgst, insbesondere was das Vermeiden von Kontakten, wie in Stufe 1 beschrieben, angeht.

Wenn du Symptome hast die zu COVID-19 passen

Jetzt ist eine Sache besonders wichtig: BLEIB ZU HAUSE! (oder geh nach Hause, wenn du woanders bist). Melde dich krank. Meide Kontakte so gut es geht. Wenn du mit Menschen zusammen wohnst, bleibe allein in deinem Zimmer. Wenn du alleine wohnst, sag anderen Bescheid (Freunde, Familie) dass du krank bist und bleib in Kontakt.

***Symptome? COVID-19 ist meldepflichtig…

Jetzt sind aktuelle Informationen wichtig. Das Gesundheitsamt in deiner Stadt muss Bescheid wissen, damit klar ist wo, wie und wie schnell sich das Virus ausbreitet. Aber auch, damit gegebenenfalls weitere Schritte eingeplant werden können, falls du Hilfe brauchst. Möglicherweise gibt’s eine Telefonnummer, die du anrufen kannst oder eine App zum Runterladen. Du findest sicher im Internet entsprechende Hinweise.

***Diagnose

Du wirst wissen wollen, ob’s “nur” eine Grippe oder eine Erkältung ist oder wirklich COVID-19. Je nach dem wo du wohnst und wie schlimm die Pandemie dort schon ist wird es unterschiedliche Vorgaben und Möglichkeiten geben. Schau im Internet, rufe die offiziellen Telefonnummern an, halte dich möglichst genau an die Vorgaben und gehe davon aus, dass es dafür gute Gründe gibt, auch wenn du die nicht sofort verstehst. So kann es zum Beispiel sein, dass du nicht getestet werden kannst, obwohl du alle Symptome hast. Vermutlich reichen dann die Testmöglichkeiten gerade nicht und werden in den Krankenhäusern gebraucht um nicht fälschlich Menschen mit Grippe zu Menschen mit COVID-19 auf die selbe Station zu legen. Das wäre fatal und würde diese Menschen vermutlich umbringen würde. Denk dran, anderen geht es jetzt deutlich schlechter als dir. Es kann auch sein, dass die offizielle Vorgaben zu den Tests an deinem Wohnort nicht umgesetzt werden können. Möglicherweise kommst du am Telefon nicht durch oder die Schlangen sind zu lang oder zu unsicher (du willst dich ja nicht anstecken bei dem Versuch herauszufinden ob du’s hast).

In manchen Städten kommen vielleicht Ärzt*innen in voller Schutzkleidung zu dir nach Hause um einen Abstrich zu nehmen. Woanders kannst du vielleicht zu einem “drive-thru” Test mit dem Auto hin fahren. Es gibt auch Test-Sets die dir zugeschickt werden, bei denen du dann den Abstrich selbst machst und dann zurück schicken kannst. Wie das alles speziell bei dir sein wird können wir natürlich nicht wissen und auch nicht dabei helfen das herauszufindend, aber wir raten dir, dich intensiv darum zu kümmern nachdem du dich in Quarantäne begeben hast.

Auf keinen Fall solltest du einfach unangekündigt in einer Arztpraxis oder einem Krankenhaus auftauchen, wenn du Symptome hast.

Denke daran: Dabei geht es um deine eigene Sicherheit! Du und/oder der*die Patient*in laufen Gefahr, sich jetzt überhaupt erst mit COVID-19 oder mit zusätzlichen Infektionen anzustecken. In Krankenhäuser kommen oft resistente Keime aller Art vor. Das gilt besonders für Infektionen mit Pilzen oder Bakterien. Außerdem: Viele Krankenhäuser werden hoffnungslos überlastet sein.

Keine Panik

Für die allermeisten Menschen wird’s nicht schlimmer als das. Du wirst ein wenig krank sein und dann wird es die besser gehen. Fertig. Gleichzeitig werden einige Menschen nicht so viel Glück haben. Selbst wenn nur ein relativ kleiner Prozentsatz der Betroffenen medizinische Versorgung benötigt. Dies wird eine ernsthafte Belastung für Ärzte, Krankenschwestern und die verfügbaren medizinischen Ressourcen, ganz einfach weil die dann alle gleichzeitig kommen. Wir können alle helfen. Es gibt Menschen die aus Übervorsicht zum Arzt gehen auch wenn sie nicht wirklich (so) krank sind um sich zu beruhigen. Die kommenden Wochen und Monate sind dafür wirklich kein guter Moment. Diese Website soll dir mehr Selbstvertrauen und Möglichkeiten geben, damit du für dich selbst, deine Freunde und deine Angehörigen sorgen kannst bis du gegebenenfalls tatsächlich professionelle Hilfe benötigst. Versuche dich zu entspannen. Es gibt viele Übungen zur Verlangsamung der Herzfrequenz und Verringerung von Angstzuständen.

Selbstquarantäne

Bis zum Test kann es ratsam sein, davon auszugehen, dass der*die Patient*in (du? ein Familienmitglied?) COVID-19 hat. Insbesondere je nachdem, wo der*die Patient*in sich befindet oder gewesen ist. Das bedeutet Selbstquarantäne zu Hause. Keine Besucher*innen mehr und ein Schild an der Tür. Du beziehungsweise der*die Patient*in sollte nur dann hinaus gehen, wenn es keine Möglichkeit gibt auf jemand anderen zu treffen. Wenn andere Personen im Haushalt leben gibt es in verschiedenen Gebieten unterschiedliche Standards für die Isolierung. Wenn möglich gehe auf Nummer sicher und versuche dir alles für die Isolationszeit von zirka zwei Wochen liefern zu lassen. Dazu gehören alle Einkäufe und Dinge des täglichen Bedarfs. Die Situation kann sich irgendwann entspannen, denn in einigen Gebieten wird das Virus so häufig werden, dass viele Menschen es schon gehabt haben und dann immun sind. Es ist nicht abzusehen, wann die verschiedenen Behörden aufhören werden jede potentielle Infektion zu testen. Dies wird von Region zu Region unterschiedlich sein.

Müll

Sei in dieser Zeit bitte besonders Achtsam was deinen Müll angeht. Benutzte Taschentücher, Papierhandtücher und anderer eventuell kontaminierter Müll gehören in einen extra Müllsack und sollten 72 Stunden lang beiseite gelegt werden. Und wasche dir vor und nach dem Gang zur Mülltonne die Hände und/oder desinfiziere die Griffe der Mülltonne die du angefasst hast.

Persönliche Schutzausrüstung (PSA)

Allerspätestens jetzt ist es an der Zeit für eine Atem-Maske. Wenn du Masken bekommen kannst (aber nur, wenn die Masken in den Krankenhäusern nicht auch schon knapp sind) trage sie immer, wenn du raus gehst, auch zum Müllhinausbringen. Die feinen Tröpfchen die beim Atmen und Husten überall verteilt werden sind voller Viren und schweben lange in der Luft. Wenn kurz später jemand vorbei kommt und die einatmet kann es schon passiert sein. Wenn du keine Maske hast nimm etwas anderes wie Schal, Handtuch, Atme durch ein Tuch, egal. Alles ist besser als kein Schutz. Empfehlungen für die PSA im Zusammenhang mit der COVID-19-Pandemie, die im Folgenden kurz zusammengefasst und ständig erweitert werden:

Tagebuch

Wenn die Symptome zum ersten Mal auftreten ist der richtige Moment ein Krankheitstagebuch zu beginnen.

Schreibe dann alle Symptome auf, die du oder der*die Patient*in hat:

Ausdruckbares Krankheitstagebuch

Wir haben ein druckbares Krankheitstagebuch erstellt, in das du alle Informationen eintragen kannst. Wenn du möchtest kannst du für jeden Tag eines dieser Formulare ausdrucken. Bewahre es griffbereit bei dem*der Patienten*in auf, falls sich die Situation verschlechtert und du/der*die Patient*in ins Krankenhaus muss.

Familie, Mitbewohner, etc.

Kümmere dich um aktuellen Informationen über offiziellen Vorgaben und Instruktionen für das Zusammenleben und frage gegebenenfalls nach Schutzmaßnahmen, Masken, und so weiter.

Hier sind einige allgemeine Vorschläge und Tipps für den Umgang mit Familie und Mitbewohnern, wenn du COVID-19 hast oder vermutest, dass du infiziert sein könntest: Selbstquarantäne - Abstand nach draußen… Alle Menschen in einem Haushalt, in dem sich eine infizierte oder vermeintlich infizierte Person befindet sollten sich selbst als vermeintlich infiziert betrachten und entsprechend in Selbstquarantäne gehen. … und Abstand nach drinnen. “ Solange ein*e Patient*in sich selbst versorgen kann, Abstand halten. Das bedeutet hauptsächlich, sich in getrennten Zimmern aufzuhalten, in verschiedenen Betten zu schlafen, getrennt zu essen, unterschiedliches Geschirr und Handtücher zu benutzen und wenn möglich verschiedene Badezimmer zu benutzen. Wir wissen, das ist seltsam und manchmal herzzerreißend schwer. Aber COVID-19 ist eine potenziell tödliche Krankheit und die Menschen in deiner Nähe werden das (hoffentlich) verstehen. Reinige regelmäßig alle häufig berührten Oberflächen (Türgriffe, Lichtschalter, Tischoberflächen, Tastaturen, Telefone, Toilettenhandgriffe in gemeinsam genutzten Badezimmern, Griffe von Küchenarmaturen in gemeinsam genutzten Küchen - halt alles, was im Alltag angefasst wird) mit einem normalen Haushaltsreiniger, Wasserstoffperoxidlösung oder verdünntem Bleichmittel (10 ml / 2 Teelöffel Bleichmittel mit einem halben Liter / 2 Tassen Wasser; reinige die Messbecher vor der Wiederverwendung sorgfältig ). Du kannst diese Lösung in ein ausgedientes Pflanzensprühgerät oder eine Sprühflasche für Reinigungsmittel füllen und aufsprühen. Lass die Flüssigkeit eine Minute einwirken bevor du sie trockenwischst. Und denkt an die Schutzbekleidung Deine Mitbewohner sollten auch in der Wohnung Masken tragen. Und sie sollten zusätzlich Handschuhe tragen, wenn sie sich um deine Müll oder deine Wäsche kümmern.

In den meisten Gegenden wird irgendwann die Zahl der Fälle in die Höhe schießen. Viele Menschen haben dann bereits COVID-19 überstanden. Die Behörden werden nicht mehr aufzeichnen, wer es gehabt hat und wer nicht. Die Grundlage bleibt dann die gleiche: Versuche ältere Menschen und Menschen mit bestehenden Krankheiten zu schützen. Versuche die Ausbreitung so weit wie möglich zu minimieren. Denk dran: Je erfolgreicher wir die Ausbreitung der Krankheit verlangsamen können, desto besser für alle. Denn durch eine Verlangsamung der Ausbreitung kannst du dazu beitragen, die Überlastung des Gesundheitssystems zu verringern. Das ist mit “Abflachen der Kurve” (“flatting the curve”) gemeint. Das verschafft mehr Menschen Zugang zu medizinischer Versorgung (ganz gleich aus welchem Grund, die anderen Notfälle hören ja nicht plötzlich auf), die sie dann dringend benötigen. Und es hilft Ärzten*innen und Krankenpfleger*innen, mehr Leben retten zu können.

Kontaktlinsen

Es ist besser (falls verfügbar) eine Brille zu tragen statt Kontaktlinsen, auch wenn du noch nicht so krank bist. Beim Einlegen der Kontaktlinsen fasst du dir ins Auge und könntest es dabei infizieren.

Werde wieder gesund

Geht es dir besser?

Wenn deine Symptome verschwinden bedeutet das nicht, dass du jetzt sofort deine Quarantäne beenden sollst. Insbesondere wenn du zwischenzeitlich positiv getestet wurdest solltest du jetzt aktuelle Informationen einholen, ob du dich jetzt noch einmal für einen abschließenden Test melden sollst. Das hängt natürlich auch von den lokalen Testmöglichkeiten ab. Dort bekommst du dann auch Empfehlungen dafür, wie es weitergeht.

Falls sich ein Kontakt mit den Behörden nicht herstellen lässt, ist es vermutlich eine gute Idee, noch etwas länger in Quarantäne zu bleiben. Die Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation lautet, nach dem Verschwinden der Symptome die Isolation mindestens zwei Wochen lang fortzusetzen, auch wenn du dich nicht mehr krank fühlst.

Du hast es geschafft, dich testen zu lassen und der Test ist negativ? Juhu! Du weißt jetzt, dass dein Körper vermutlich für einige Zeit eine Immunität aufgebaut hat. Überprüfe zum Aufbau der Immunität unbedingt die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse. Wenn du immun bist, bedeutet das, dass diese Sache für dich vorbei ist. Du kannst jetzt deiner Familie und deinen Freund*innen helfen, wenn sie krank werden, ohne befürchten zu müssen, dass du dich erneut ansteckst. Je nachdem, in welchem Zustand sich die Welt befindet, solltest du deinen Arbeitgeber und andere die von dir abhängig sein könnten, darüber informieren. Teile ihnen mit, dass du es hattest und dass es dir wieder gut geht, damit sie wissen, dass du jetzt wahrscheinlich immun bist.